Top-Tryscorer Jack Hunt im Porträt
Die Zunge ist beinahe schon eine Art Markenzeichen, wenn Jack Hunt mit dem Ball in Richtung Malfeld sprintet. (Foto: Vasile Mihai-Antonio / Rugby Europe)

Top-Tryscorer Jack Hunt im Porträt

Dieser junge Mann hat schon eine besondere Geschichte, was seine beginnende Karriere im Rugbysport angeht. Aber in Rugby Deutschland darf man froh sein, dass sich Jack Hunt dazu entschieden hat, für sein Geburtsland Rugby zu spielen. Denn der erst 22-Jährige „Shootingstar“ des Wolfpack ist mit seiner unglaublichen Dynamik aktuell DER Finisher und Top-Try-Scorer des Wolfpack und damit ein wichtiger Baustein, um sich erstmals auch im Konzert der ganz großen Nationen des internationalen Rugbysports respektabel zu präsentieren.
 
Jack Hunt erblickte im Jahr 2000 im niederrheinischen Moers bei Düsseldorf als Sohn eines Iren und einer Australierin das Licht der Welt, was ihm für seine spätere Rugby-Karriere jede Menge Optionen eröffnete.
 
Doch seine ersten Schritte machte er als Achtjähriger bei den Rheindahlen Rhino‘s in Mönchengladbach, wo sein Vater, der zwar ein wenig Rugby spielte, aber eher im in der irischen Heimat populären Gaelic Football zu Hause war, ihn mit hinnahm. Später wechselte er in die U16 der International School in Düsseldorf und hatte dann auch erstmals Kontakt zum deutschen Verband, mit dem erst zum ersten Mal bei der 7er-U18-EM 2017 in Heidelberg als Topscorer und bester Spieler nachhaltig auf sich aufmerksam machte. Da wurde dann auch der irische Verband auf Hunt, der mittlerweile im Internat des Rockwell College im irischen Tipperary wohnte, aufmerksam und holte das Talent in sein Programm. Das grüne Trikot Irlands trug der junge Deutsche dann auch in mehreren U18-Spielen im klassischen 15er- aber auch im 7er-Rugby.
 
Als es ihn dann aber zum Studium der Politik und Wirtschaft ans University College nach Dublin zog, kam bald der Anruf von Nationaltrainer Clemens von Grumbkow, der Jack einlud, sich dem deutschen 7er-Programm anzuschließen – und das Talent folgte dem Ruf aus dem Geburtsland, was er bis heute nicht bereut hat: „Als Kind war es immer mein Traum, für Australien oder Irland zu spielen, und zum Glück hatte ich die Gelegenheit, das zu tun. Aber jetzt liebe ich es, gemeinsam Deutschland auf den besten 7er-Turnieren der Welt zu repräsentieren. Diese Jungs sind wie eine Familie. Wir trainieren fast jeden Tag gemeinsam, und wenn es ins Spiel geht, schauen wir uns an und kämpfen uns dann gemeinsam durch Dick und Dünn.“
 
Ohnehin ist er dem Rugbysport total verfallen, wie er zugibt: „Ich liebe Rugby, weil es auf dem Spielfeld hart zugeht, aber nach dem Spiel schüttelt man seinem Gegner die Hand, unabhängig vom Ergebnis. Und ich liebe die Intensität im 7er-Rugby. 14 Minuten lang lässt man alles auf dem Spielfeld, und ein nach ein paar Stunden macht man es direkt wieder.“
 
Dass er dabei als junger Spieler schon so große Verantwortung trägt, den Ball in entscheidenden Phasen in die Hand bekommt und für Punkte sorgen muss, „darüber denke ich eigentlich nicht nach. Die Jungs machen ja die meiste Arbeit, um mich am Ende über die Versuchslinie zu bringen. Und viel Druck verspüre ich auch nicht. Ich weiß, wenn wir unser System spielen und jeder seine Arbeit macht, belohnen wir uns auch. Ohnehin gewinnen wir unsere Spiele meist in der Verteidigung. Ich bin meist dafür da, den Ball abzulegen. Und das ist wohl auch gut so. Ich mag es, den Ball im Raum zu bekommen und dann Geschwindigkeit aufzunehmen. Passen und Offloads gehören nicht zu meinen Stärken. Da ist es besser für das Team, wenn ich den Ball als Letzter in der Hand habe und möglichst den Versuch lege.“
 
Dem klassischen 15er-Rugby hat der junge 7er-Star, der Mamas Küche liebt, aber auch Tiefkühlpizza nicht verschmäht, der gern Rap und Hip-Hop hört und viel Zeit mit seinen Freunden verbringt, aber nicht. Während der College-Saison spielt er erfolgreich für den Terenure College RFC. „Nach der WM wollen wir mit dem College-Team das All Ireland Final gewinnen. Im letzten Jahr haben wir da das Finale leider verloren.“
 
Doch jetzt liegt der Fokus erst mal voll auf der WM mit dem Wolfpack. „Ich bin stolz auf das Team und alle Spieler, die gemeinsam dieses Ziel erreicht haben, in Kapstadt dabei zu sein. Viele der Jungs haben viele Jahre darauf hingearbeitet. Und ich bin froh, jetzt ein Teil dieser aufregenden Reise zu sein. Wir treffen dort auf die Besten, und ich freue mich darauf, der Welt zu zeigen, was das deutsche Team zu leisten in der Lage ist. Vor allem aber freue ich mich darauf, dass meine Familie mich vor Ort unterstützt. Meine ältere Schwester kommt extra aus Australien, meine Eltern, mein Onkel werden im Stadion die deutsche Flagge schwenken. Das wird toll!“